CBD für den inneren Kompass der Katze.

Im letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, weshalb CBD-Pflege für Tiere mehr Verantwortung braucht als Bauchgefühl. Genau dort knüpfe ich heute an. Denn eine Frage taucht seither besonders häufig auf: Wenn man sich mit CBD bei Tieren differenziert auseinandersetzt – gilt das dann auch für Katzen? Oder anders gefragt: Lässt sich das, was bei Hunden funktioniert, einfach übertragen?

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Hanf und CBD, lese Studien, spreche mit Fachleuten und beobachte genau, was sich im Alltag bewährt. Als Finn bei mir eingezogen ist, wurde vieles davon sehr konkret. Hunde reagieren deutlich, suchen Nähe, Orientierung und Halt. Katzen hingegen stellen ganz andere Fragen. Und sie verlangen andere Antworten.

Hunde denken Beziehung, Katzen denken Raum.

Je tiefer ich mich mit dem Thema befasst habe, desto klarer wurde mir, wie grundlegend sich Hunde und Katzen unterscheiden. Hunde sind soziale Kooperationswesen. Ihr Nervensystem reagiert stark auf Bindung, Nähe und Rückversicherung über den Menschen. Stress wird häufig über Beziehung reguliert. Katzen hingegen sind Einzeljäger. Sie sind hochsensibel, eigenständig und auf Kontrolle ihres Umfelds ausgerichtet. Sicherheit entsteht bei ihnen weniger über Nähe als über Stabilität im Raum. Der Mensch ist Bezugspunkt, aber nicht ihr innerer Fixstern.

Diese Unterschiede sind nicht nur Verhalten, sie sind Biologie. Katzen verfügen über einen besonderen Stoffwechsel, insbesondere in der Leber. Bestimmte Enzymsysteme, die bei Hunden gut funktionieren, sind bei Katzen nur eingeschränkt vorhanden. Entsprechend fein reagieren sie auf Substanzen, die ihr System nicht kennt oder nicht einordnen kann. Rückzug, Futterverweigerung oder stille Unruhe sind keine Launen, sondern Ausdruck eines sensiblen Regulationssystems.

Revier als innerer Anker.

Wer Katzen kennt, weiss: Ihr innerer Kompass ist ortsgebunden. Das Revier ist ihr Sicherheitsraum. Veränderungen im Umfeld wirken oft stärker als soziale Reize. Ein Umzug, neue Gerüche, fremde Tiere, Baustellenlärm oder auch nur eine veränderte Tagesstruktur können Stress auslösen. Dieser Stress zeigt sich leise. Katzen werden wachsamer, gespannter, weniger präsent. Gerade hier wird verständlich, weshalb unterstützende Ansätze nicht auf Beruhigung abzielen sollten, sondern auf Balance.

In der Forschung wird CBD im Zusammenhang mit dem Endocannabinoid-System betrachtet, das bei Säugetieren an Regulationsprozessen beteiligt ist. Auch Katzen verfügen über dieses System. Im Alltag geht es dabei nicht um Effekte oder Verhaltensänderung, sondern um Begleitung in Phasen, in denen das innere Gleichgewicht unter Druck gerät. Bei Katzen ist dieser Druck oft räumlich bedingt. Ihr Kompass orientiert sich am Ort, nicht an der Beziehung.

Terpene: ein oft übersehener Unterschied.

Ein Punkt, der mir in Gesprächen immer wieder auffällt, sind Terpene. Diese aromatischen Pflanzenstoffe kommen natürlicherweise im Hanf vor und werden beim Menschen häufig geschätzt. Auch Hunde können viele Terpene gut verstoffwechseln. Katzen hingegen besitzen dafür nur eingeschränkte Abbaukapazitäten. Ihnen fehlen bestimmte Enzyme, die für die Verarbeitung notwendig wären. Terpene sind deshalb nicht grundsätzlich problematisch, können für Katzen aber eine zusätzliche Belastung darstellen.

In der Praxis äussert sich das subtil. Katzen reagieren mit Rückzug, vermehrtem Speicheln, Unruhe oder Ablehnung. Solche Reaktionen werden oft vorschnell als generelle Unverträglichkeit von CBD interpretiert. Tatsächlich zeigt sich hier meist, dass die Zusammensetzung nicht auf den Katzenorganismus abgestimmt war. Für mich ist das ein entscheidender Punkt. Nicht CBD an sich ist das Thema, sondern die Frage, wie differenziert man hinschaut.

Wenn ich heute über CBD und Katzen schreibe, dann aus genau dieser Perspektive. Katzen brauchen keine starken Reize, keine komplexen Begleitstoffe und keine Übertragung von Hundelogiken. Sie brauchen Ruhe, Vorhersehbarkeit und eine Unterstützung, die ihr sensibles System respektiert. Ihr innerer Kompass ist fein eingestellt. Alles, was ihn begleitet, sollte es auch sein.

In diesem Sinne: herzlich-sanfte Grüsse an eure Samtpfoten
Eure Hannah


Hinweis zur Literaturlage:

Die Forschungsbasis zu CBD bei Katzen ist noch überschaubar, teilweise vorläufig oder mit kleinen Stichproben. Viele Studien konzentrieren sich auf Sicherheit/Toleranz, Pharmakokinetik oder indirekte Verhaltens-Parameter. Konkrete, robuste klinische Endpunkt-Studien sind bislang rar. Hier ein paar Links zu Studien zum Weiterlesen:

Healthy cats tolerate long-term CBD feeding (safety & tolerance) – THC-freie CBD-Distillat über 26 Wochen gut vertragen; biochemische Daten stabil. Frontiers in Veterinary Science – CBD safety in cats (26 wk)

Possible anxiolytic effects of CBD in cats – Studie weist auf potenzielle angstreduzierende Effekte bei Katzen hin. Animals AI Journal – CBD anxiety in cats

Evaluation of cannabidiol oil’s effects on sedation & handling in cats – Erste Hinweise auf leichte Sedation und bessere Compliance ohne physiologische Störungen. Evaluation of CBD oil on sedation in cats

Effects of CBD oil on anesthetic requirements in cats – CBD senkt Mindest-Anästhesiekonzentration bei Isofluran in gesunden Katzen. Animals Journal – CBD and anesthesia in cats

Field safety & efficacy study with a cannabidiol/CBDA paste in cats – CBD/CBDA-Paste kann Schmerzen reduzieren (Osteoarthritis), aber hohe Abbruchrate bei Futterverweigerung. SAGE Journals – CBD/CBDA paste safety & efficacy

Serum cannabinoid pharmacokinetics in cats (Wang et al., pharmacokinetic assessment) – Messung von CBD & CBDA-Konzentrationen und Absorptionsprofilen. Frontiers in Veterinary Science – PK of CBD/CBDA paste in cats

Cats and cannabinoids: Past, present and future – Übersicht zu Cannabinoiden inklusive CBD/THC-Effekten und Verstoffwechselung in Katzen. PMC – Cats and cannabinoids overview

Field survey: Perception & use of CBD by pet owners – Grösserer Querschnitt zu Anwendung und Wahrnehmung von CBD bei Katzen und Hunden. ScienceDirect – Pet owner perception of CBD

Administration of CBD for management of anxiety disorders in cats – Forschungsarbeit zu anxiolytischen Effekten bei klinisch diagnostizierten Katzen (spanischer Universitätskontext). Dspace UCACUE – CBD for feline anxiety study

Review: CBD in veterinary medicine (broader context) – Überblick zu Qualitäts-, Sicherheits- und Wirksamkeitsfragen von CBD bei Haustieren inkl. Katzen. PMC – CBD for pets safety & standards

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