CBD-Pflege für Tiere: Verantwortung statt nur Bauchgefühl

Gestern, kurz vor dem Winterspaziergang mit meinem Hund, stand ich im Bad und habe mir Gesicht und Hände mit einer nährenden CBD-Salbe eingecremt. Kälte, Wind, trockene Luft – meine Haut braucht das im Winter. Finn sass bereits an der Tür, bereit für draussen. Der Gedanke kam ganz automatisch: Seine Pfoten haben es bei Schnee, Salz und Kälte mindestens genauso schwer. Ein bisschen Salbe wäre doch gut. Was für mich gut ist, kann für meinen Hund ja auch nicht schlecht sein, dachte ich mir. Und dann habe ich innegehalten und angefangen, die Inhaltsstoffe zu lesen. In diesem Moment hat sich etwas verschoben.

Hanfprodukte sind kein Sonderfall – aber auch keine Ausnahme.

Hunde und Katzen nehmen Substanzen nicht nur über das Maul auf. Auch die Haut spielt eine Rolle. Sie ist bei Tieren dünner, durchlässiger und empfindlicher als unsere. Bei Hunden kommt hinzu, dass alles, was auf die Pfoten oder das Fell gelangt, früher oder später abgeschleckt wird. Bei Katzen ist dieser Effekt noch ausgeprägter: Durch ihr intensives, mehrmaliges tägliches Putzen wird praktisch jede Substanz, die auf Haut oder Fell gelangt, auch oral aufgenommen.

Ein Produkt, das für menschliche Haut entwickelt wurde, ist deshalb nicht automatisch harmlos für Tiere – selbst dann nicht, wenn es natürlich wirkt oder pflanzliche, zertifizierte Inhaltsstoffe enthält.

Hanfbasierte Produkte für Menschen kombinieren Cannabinoide oft mit weiteren Bestandteilen wie Trägerölen, Pflanzenextrakten, Konservierungsmitteln, Duftstoffen oder funktionalen Zusätzen. Für uns Menschen ist diese Kombination geprüft und eingeordnet. Für Hunde und Katzen gilt diese Einordnung nicht automatisch. Das eigentliche Risiko liegt weniger im einzelnen Stoff als in der Annahme, dass „natürlich“ gleichbedeutend mit „tiergeeignet“ sei. Tiere verstoffwechseln viele Substanzen anders. Was unser Körper problemlos abbaut, kann bei ihnen akute Reaktionen oder schleichende Schäden auslösen.

Bekannte Klassiker – und unterschätzte Risiken.

Schokolade kennen die meisten als Gefahr für Hunde, wegen des enthaltenen Theobromins. Weniger präsent ist, dass auch Trauben und Rosinen bei Hunden zu akutem Nierenversagen führen können, dass Zwiebeln und Knoblauch in hoher oder regelmässiger Dosierung die roten Blutkörperchen schädigen oder dass Avocado bei Hunden und Katzen Magen-Darm-Probleme verursachen kann.

Bei Katzen sind insbesondere ätherische Öle kritisch. Viele enthalten Terpene und phenolische Verbindungen, die für Katzen schnell toxisch sind. Alles, was Terpene oder Phenole enthält, gehört weder auf das Fell noch auf die Haut von Katzen. Katzen fehlt ein zentraler Entgiftungsmechanismus in der Leber, weshalb schon geringe Mengen neurologische Symptome oder Leberschäden auslösen können.

Diese Stoffe müssen nicht einmal bewusst gefressen werden. Hautkontakt, Putzen, Lecken oder Krümel vom Boden können ausreichen.

Xylit – ein Stoff, der oft übersehen wird.

Bei meiner Recherche bin ich immer wieder bei Xylit hängen geblieben, auch bekannt als Birkenzucker. Xylit ist längst kein Nischenprodukt mehr. Er steckt in zuckerfreien Kaugummis, Bonbons, Proteinriegeln, Backwaren vom Bäcker, Zahnpflegeprodukten und teilweise auch in Kosmetik. So wie auch in meiner Creme, die ich zu Anfang erwähnte.

In der Kosmetik wird Xylit eingesetzt, weil es Feuchtigkeit bindet, die Haut vor dem Austrocknen schützt und das Hautmikrobiom unterstützt. Es sorgt für ein angenehmes, nicht klebriges Hautgefühl und passt gut in natürlich positionierte Formulierungen. Für Menschen ist Xylit gut verträglich.

Für Hunde ist Xylit jedoch hochgefährlich. Bereits sehr kleine Mengen können eine massive Insulinausschüttung auslösen. Der Blutzuckerspiegel fällt innerhalb kurzer Zeit stark ab. Symptome wie Schwäche, Zittern, Erbrechen, Taumeln oder Krampfanfälle können sehr schnell auftreten. In schweren Fällen kommt es zusätzlich zu akutem Leberversagen. Eine Xylit-Vergiftung ist ein absoluter Notfall.

Besonders tückisch ist, dass Xylit oft dort enthalten ist, wo man ihn nicht erwartet – und dass Hunde ihn nicht meiden, sondern im Gegenteil gerne aufnehmen.

Was im Notfall wichtig ist.

Bei einem Vergiftungsverdacht gibt es kaum sichere Hausmittel. Wasser einflössen, Milch geben oder andere gut gemeinte Massnahmen können mehr schaden als helfen. Erbrechen sollte niemals ohne tierärztliche Anweisung ausgelöst werden. Auch Aktivkohle gehört nur nach Rücksprache in fachkundige Hände.

Was zählt, ist Geschwindigkeit. Bei Verdacht auf eine Xylit-Vergiftung sollte sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik aufgesucht werden. Als kurzfristige Überbrückung auf dem Weg dorthin kann Honig oder Zucker auf das Zahnfleisch gerieben werden, nicht einflössen. Diese Massnahme ersetzt aber auf keinen Fall eine tierärztliche Behandlung.

Eine kleine Entscheidung mit grosser Wirkung.

In meinem Fall war die Konsequenz einfach. Ich habe die Salbe zurückgestellt und mich für eine sehr reduzierte Lösung entschieden. Für Finns Pfoten habe ich eine dünne Schicht reines CBD-Öl verwendet. Keine komplexe Formulierung, keine Zusatzstoffe, nichts, was ich nicht vollständig überblicke.

Dieser Moment im Bad hat mir gezeigt, wie schmal der Grat im Alltag ist. Ein gut gemeinter Gedanke, ein Griff aus Bequemlichkeit – und plötzlich wird Verantwortung konkret. Finn kann nicht lesen, was auf einer Verpackung steht. Diese Aufgabe liegt bei mir.

In diesem Sinne: Geniesst eure Winterspaziergänge – mit oder ohne Hund – und bleibt aufmerksam.
Eure Hannah


Für Hunde und Katzen problematisch oder giftig.

Xylit (Birkenzucker).
Xylit ist für Hunde hochtoxisch und stellt einen absoluten Notfall dar. Bereits kleinste Mengen können zu einer massiven Insulinausschüttung führen, was innerhalb kurzer Zeit schwere Unterzuckerung und Leberversagen auslösen kann. Bei Verdacht sofort zum Tierarzt. Als kurzfristige Überbrückung kann Honig oder Zucker auf das Zahnfleisch gerieben werden, nicht einflössen, und nur auf dem Weg zur tierärztlichen Behandlung.

Schokolade und Kakao.
Enthalten Theobromin, das von Hunden und Katzen nur sehr langsam abgebaut wird und zu schweren Vergiftungen führen kann.

Trauben und Rosinen.
Können bei Hunden akutes Nierenversagen auslösen, auch in kleinen Mengen.

Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch.
Wirken in hoher oder regelmässiger Dosierung schädigend auf die roten Blutkörperchen. Knoblauch ist stark dosisabhängig und wird in sehr kleinen Mengen teilweise sogar therapeutisch eingesetzt, problematisch wird es bei unkontrollierter oder hoher Aufnahme.

Avocado.
Enthält Persin, das bei Hunden und Katzen Magen-Darm-Beschwerden auslösen kann.

Macadamianüsse.
Können neurologische Symptome, Muskelschwäche und Bewegungsstörungen verursachen.

Alkohol und alkoholhaltige Speisen.
Bereits geringe Mengen können zu schweren Vergiftungserscheinungen führen.

Koffein (Kaffee, Tee, Energy-Drinks).
Wirkt toxisch auf Herz und Nervensystem.

Roher Hefeteig.
Kann im Magen aufgehen und zusätzlich Alkohol bilden.

Rohes Schweinefleisch.
Kann das Aujeszky-Virus enthalten, das für Hunde und Katzen fast immer tödlich verläuft. Für Menschen ungefährlich, deshalb selten präsent, aber potenziell hochriskant.


Für Katzen besonders kritisch.

Terpene und Phenole.
Für Katzen besonders schnell toxisch. Alles, was Terpene oder phenolische Verbindungen enthält, gehört nicht auf Fell oder Haut von Katzen. Das betrifft viele ätherische Öle und stark pflanzenbasierte Formulierungen.

Ätherische Öle allgemein.
Katzen fehlt ein entscheidender Entgiftungsmechanismus in der Leber. Schon geringe Mengen über Haut, Fell oder Putzen können zu schweren neurologischen oder hepatischen Schäden führen.

Xylit.
Auch bei Katzen problematisch und strikt zu vermeiden, insbesondere über indirekte Aufnahme.

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