Kennt ihr das: Kaum wird es Frühling, beginnt man plötzlich wieder, sich um Dinge zu kümmern, die im Winter etwas in den Hintergrund gerückt sind. Im letzten Beitrag hier auf HempHannah ging es um unsere Füsse. Sobald die Tage wärmer werden, holen wir die Sandalen hervor und stellen fest, dass die Füsse darin nach ein paar Monaten in Socken und festen Schuhen wieder etwas Aufmerksamkeit brauchen könnten.
Dieser kleine Frühlingsmoment ist eigentlich sehr typisch. Sobald Licht und Temperaturen steigen, verändert sich unser Blick auf den eigenen Körper. Man bewegt sich mehr, ist wieder häufiger draussen – und plötzlich entsteht auch das Bedürfnis nach Leichtigkeit. Nicht nur an den Füssen, sondern insgesamt. Viele Menschen sprechen in dieser Zeit vom „Detoxen“. Dabei lohnt sich ein Blick zurück. Früher brauchte es diesen Begriff gar nicht.
Über Generationen hinweg lebten Menschen viel stärker im Rhythmus der Natur. Man ass das, was gerade wuchs oder geerntet werden konnte. Kühlschränke gab es noch keine, lange Transportwege für Lebensmittel ebenfalls. Der Speiseplan ergab sich aus den Jahreszeiten. Im Frühling erschienen die ersten frischen Kräuter. Bärlauch, Löwenzahn oder junge Brennnesseln. Pflanzen, die nach dem Winter wieder Bewegung in den Stoffwechsel brachten. Im Sommer folgten Salate, Gemüse, Beeren und Früchte – alles leicht, frisch und voller Wasser. Im Herbst wurde geerntet, gejagt und geschlachtet. Die Küche wurde kräftiger, gehaltvoller. Und im Winter lebte man von dem, was eingelagert, getrocknet oder haltbar gemacht worden war.
Der Körper bewegte sich dadurch ganz selbstverständlich in einem natürlichen Jahreszyklus.
Heute ist dieser Rhythmus weitgehend verschwunden. Erdbeeren im Januar oder Spargel im Herbst sind längst normal geworden. Der Speiseplan kennt kaum noch Jahreszeiten. Gleichzeitig reagiert unser Körper immer noch auf den Wechsel von Licht, Bewegung und Temperatur. Gerade im Frühling spüren viele Menschen deshalb den Wunsch nach frischer Nahrung und nach einer Phase der Entlastung.
Frühling: Wenn die Natur ihre eigenen Detox-Pflanzen liefert
Interessanterweise bringt die Natur genau in dieser Zeit Pflanzen hervor, die traditionell mit Reinigung und Aktivierung verbunden werden. Einer der bekanntesten Vertreter ist der Bärlauch. Kaum steigen die Temperaturen, breitet er sich in vielen Wäldern in dichten Teppichen aus. Sein intensiver Duft verrät bereits seine Verwandtschaft zum Knoblauch.
Bärlauch enthält schwefelhaltige Pflanzenstoffe sowie viele Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. In der traditionellen europäischen Kräuterkunde wird er seit Jahrhunderten geschätzt, weil er den Stoffwechsel anregt und den Körper nach den Wintermonaten wieder aktiviert.
Doch Bärlauch steht nicht allein. Auch Löwenzahn, Brennnesseln oder junge Wildkräuter gehören zu den klassischen Frühlingspflanzen. Viele von ihnen enthalten Bitterstoffe – ein Geschmack, der in der modernen Ernährung fast verschwunden ist, obwohl er für Verdauung und Stoffwechsel eine wichtige Rolle spielt.
Es wirkt fast so, als würde die Natur im Frühling genau das bereitstellen, was der Körper jetzt besonders gut gebrauchen kann.
Fasten und Entlastung – eine alte Tradition
Die Idee, dem Körper im Frühling eine Phase der Reduktion zu gönnen, findet sich auch in vielen kulturellen Traditionen wieder. Im christlichen Kulturraum ist es die Fastenzeit zwischen Fasnacht und Ostern. Im Islam gehört der Ramadan zu den wichtigsten spirituellen Zeiten des Jahres. Auch in anderen Kulturen existieren ähnliche Phasen der bewussten Zurückhaltung beim Essen.
Diese Traditionen entstanden lange bevor es den Begriff „Detox“ gab. Sie spiegeln eine einfache Beobachtung wider: Nach den eher schweren Wintermonaten tut es dem Körper gut, eine Zeit lang leichter zu essen und bewusster mit Nahrung umzugehen.
Der Körper selbst verfügt ohnehin über sehr effektive Systeme, um Stoffwechselprodukte abzubauen und auszuscheiden. Leber, Nieren, Darm und Haut arbeiten rund um die Uhr daran. Was wir im Frühling tun können, ist diese Prozesse zu unterstützen – mit frischen Pflanzen, saisonalen Lebensmitteln und etwas mehr Leichtigkeit auf dem Teller.
Drei einfache Frühlingsideen für die Küche
Bärlauch-Pesto
Eine Handvoll frischer Bärlauchblätter mit Olivenöl, gerösteten Nüssen oder Kernen, etwas Zitronensaft und wenig Salz mixen. Das Pesto passt zu Pasta, aufs Brot oder als frische Ergänzung zu Gemüsegerichten.
Löwenzahn-Frühlingssalat
Junge Löwenzahnblätter mit Blattsalat mischen, dazu Radieschen, Apfelstücke und geröstete Kerne. Ein leichtes Dressing aus Apfelessig, Olivenöl und etwas Honig bringt die Bitterstoffe angenehm zur Geltung.
Grüner Frühlings-Smoothie
Brennnesselspitzen oder Spinat mit Apfel, Gurke, Zitrone und Wasser oder pflanzlichem Drink mixen. Ein frischer Start in den Tag, der den Körper mit Mineralstoffen und Flüssigkeit versorgt.
Der Frühling ist damit weit mehr als nur der Beginn einer neuen Gartensaison. Er ist auch eine Einladung, wieder ein Stück näher an den Rhythmus der Natur heranzurücken. Vieles von dem, was wir heute unter „Detox“ verstehen, war früher ganz selbstverständlich: saisonal essen, frische Pflanzen nutzen und dem Körper nach dem Winter etwas mehr Leichtigkeit gönnen.
Frühling ist auch ein Neustart für die innere Balance
Der Frühling wirkt nicht nur über die Ernährung auf den Körper. Auch im Inneren verändern sich Prozesse. Stoffwechsel, Zellaktivität und Immunreaktionen passen sich an mehr Licht, mehr Bewegung und andere Nahrungsmittel an.
Hier spielt auch das sogenannte Endocannabinoid-System eine Rolle. Es gehört zu den Regulationssystemen unseres Körpers und ist unter anderem an Entzündungsprozessen, Stressreaktionen, Schlaf und Stoffwechsel beteiligt. Viele Forschende beschreiben es als eine Art biologisches Gleichgewichtssystem.
CBD steht mit diesem System in Verbindung und wird deshalb häufig im Zusammenhang mit körperlicher Balance diskutiert. In Phasen, in denen der Körper sich umstellt – wie im Übergang vom Winter in den Frühling – interessiert sich die Forschung besonders für diese Zusammenhänge.
Neben Cannabinoiden rücken auch andere Stoffe stärker in den Fokus. Dazu gehören Nukleotide. Sie sind Bausteine unserer DNA und RNA und spielen eine zentrale Rolle bei Zellteilung, Regeneration und Immunreaktionen. Besonders in Phasen, in denen sich Gewebe erneuert oder der Körper mehr Anpassungsarbeit leisten muss, steigt der Bedarf an diesen Bausteinen.
Der Frühling ist deshalb nicht nur eine Zeit für frische Lebensmittel und mehr Bewegung draussen. Er ist auch eine Phase, in der viele Prozesse im Körper neu aktiviert werden – vom Stoffwechsel bis zur Zellregeneration.
Ein herzlicher Frühlingsgruss sendet euch
Eure Hannah
